Montag, 8. Februar 2016

Meister Eckhart

Meister Eckhart (1260- 1328)  der bedeutendste deutschsprachige Mystiker

Ein heidnischer Meister, Seneca, spricht: "Man soll von großen und hohen Dingen mit großen und hohen
 Sinnen sprechen und mit erhabener Seele." Auch wird man sagen, dass man solche Lehren nicht für Ungelehrte sprechen und schreiben solle. Dazu sage ich (Meister Eckhart) : Soll man nicht ungelehrte Leute (be-)lehren, so wird niemals wer gelehrt, und so kann niemand (dann) lehren und schreiben. Denn darum belehrt man die Ungelehrten, dass sie aus Ungelehrten zu Gelehrten werden. Gäbe es nichts Neues, so würde nichts Altes. "Die gesund sind", sagt unser Herr, "bedürfen der Arznei nicht" (Luk. 5, 31). Dazu ist der Arzt da, dass er die Kranken gesund mache. Ist aber jemand, der diese Worte unrecht versteht, was kann der Mensch dafür, der dieses Wort, das recht ist, recht äußert? (Eckhart, DPuT, S. 139)
Was Eckhart hier sagt, bedarf fast keines weiteren Kommentars. Es ist beinahe schon sein programmatisches Anliegen, höchste Inhalte der Erkenntnis unter das gemeine Volk zu bringen. In diesen Kontext gehörend ist somit auch die Tatsache, dass Meister Eckhart einer der Ersten überhaupt gewesen ist, der seine Predigten nicht (nur) in dem ausschließlich den Gelehrten verständlichen Latein vorgetragen hatte, sondern auch vor dem einfachen Volk und ungelehrten Laien in der Volkssprache predigte - und d.h. in seinem Falle in Mittelhochdeutsch. Er wollte verstanden werden, da er es offensichtlich für durchaus wichtig hielt, dass jedermann mit "tieferen Wahrheiten" in Berührung treten kann. Etliche Beschlüsse seiner deutschen Predigten geben Kunde davon, welch Anliegen es ihm gewesen sein muss - auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden oder unverstanden zu bleiben -, Predigten mit teilweise äußerst hochspekulativen Inhalten und Gedanken zu halten.
 Für ihn war Deutsch als Volkssprache begriffsgeschichtlich jungfräulich, sie konnte durch ihn noch geformt werden.  Für ihn war die deutsche Sprache Ausdruck spiritueller Weisheit.
Latein war für ihn terminologisch (begrifflich) versiegelt. Es war für ihn nicht möglich auszusprechen was er in seinem Inneren empfand.
Er wurde der Häresie verdächtigt und von der Inquisition angeklagt, vermutlich weil es wagte in einer Sprache zu predigen, die in Rom nicht verstanden wurde.
Die Anklage gegen ihn war so fadenscheinig, die er gekonnt widerlegte, und man in Rom vermutlich froh war, dass er seinen Fußmarsch von Köln nach Paris nicht überlebte. Sein Leichnam wurde nie gefunden. 

Eckart Tolle, einer der bekanntesten gegenwärtigen Weisheitslehrer, hat den Vornamen Eckart  angenommen, vermutlich weil er glaubt der inkarnierte Meister Eckart zu sein. Persönlich halte ich das für möglich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen