Ein Traum, ein Traum ist unser
Leben auf Erden hier.
Wie Schatten auf den Wogen
schweben und schwinden wir.
Und messen unsre trägen
Schritte nach Raum und Zeit;
Und sind (und wissens's nicht) in Mitte der Ewigkeit.
Johann Gottfried Herder
Geistesgrößen aller
Zeitepochen haben sich eingehend mit dem Thema Zeit befasst. Darunter waren die großen Denker der Antike von Homer bis Pythagoras.
Auch in der Neuzeit bemühten sich zum einen die Physiker
und Mathematiker - wie
etwa Kopernikus, Kepler, Descartes, Newton, Heisenberg und Einstein - um ein
Verständnis der Zeit, und zum anderen zerbrachen sich Philosophen wie
Hegel,
Schelling und Marx darüber den Kopf. Von Immanuel Kant und Arthur
Schopenhauer wird die Zeit schlichtweg als nicht Existent
erklärt, weil sie der Welt nur
als Vorstellung angehöre.
Der frühchristliche
Kirchenlehrer Augustinus sagte: "Er bete zu Gott, auf dass Er ihm offenbaren
möge, was die Zeit ist, nicht aus Neugier, sondern weil er außerstande sei,
ohne diese Wissen zu leben." Ferner sagte er: "Was also ist Zeit?
Wenn niemand danach fragt, weiß ich es. Will ich's aber einem Fragenden
erklären, weiß ich es nicht."
Das
nackte Wort »Zeit« macht Probleme, weil niemand genau sagen kann, was Zeit
eigentlich ist.
Denker im antiken Griechenland erklärten die Zeit jedenfalls zu etwas
Irrealem,
weil die Vergangenheit
nicht mehr und die Zukunft noch nicht existiere und
der Moment dazwischen – die Gegenwart – nicht von Dauer ist.
Kronos
die Zeit, in der altgriechischen Religion ist als Gottheit gedacht, die ihre
Kinder fraß. Kronos
symbolisiert die Zeit, die alle Dinge zerstört, die sie
hervorgebracht hat –
genau wie Saturn in der griechischen Mythologie seine
Kinder
fraß. »Die Zeit frisst ihre
Kinder«.
Sowohl
östliche als auch westliche Mystiker betonen, dass unser Denken in der Zeit
stattfindet, jedoch die Vision die Zeit überschreiten kann. Mystiker behaupten
auch, dass sie beim Überschreiten der Zeit auch Ursache und Wirkung
überschreiten. Anstelle einer linearen Folge von Augenblicken, erfahren
Mystiker eine unendliche, zeitlose und doch dynamische Gegenwart.
Mystiker
haben direkte Einsichten in das Wesen der Wirklichkeit. Sie sind allerdings nur
an der Erfahrung, nicht aber an der Beschreibung der Wirklichkeit interessiert,
weil, wie sie sagen, es fast nicht möglich ist, sich sprachlich auszudrücken.
Absolutes
Wissen ist demnach eine völlig nicht-intellektuelle Erfahrung der Wirklichkeit
Auch nach den
Erkenntnissen von Quantenphysikern ist Zeit eine Illusion. Es gibt sie nur in
den Köpfen der Menschen.
Jenseits der Zeit
erwartet uns die Ewigkeit, in die wir dereinst zurückkehren werden. Ewigkeit
ist nicht einfach eine unendliche Ausdehnung von Zeit, sondern sie ist die
Gleichzeitigkeit alles Seienden und damit die Überwindung der Zeit.
Wirklichkeit existiert unabhängig vom
Zeitablauf, sie ist zeitlos und allgegenwärtig. Doch so können wir sie nicht
wahrnehmen. Sie ist wie ein dickes Buch, das wir in Händen halten, dessen
Inhalt wir aber noch nicht gelesen haben. Beim Lesen des Buches verfließt Zeit.
Dennoch existiert der Inhalt dieses Buches von Anfang an, unabhängig von der
Zeit, die wir zum Lesen benötigen. Genauso zeitunabhängig existiert das nächste
Jahr mit all seinen Ereignissen schon immer, wir müssen jedoch abwarten, bis
wir es anschauen und wahrnehmen können.
Zeit
besitzt nicht nur Quantität, sondern auch Qualität, das heißt, dass zu einem
bestimmten Zeitpunkt sich nur solche Ereignisse verwirklichen können, deren
qualitative Inhalte der jeweiligen Zeitqualität entsprechen. Zeit muss demnach
einer Latenz die Öffnung bieten, damit diese Latenz in die Wirklichkeit
eintreten und sich manifestieren kann. Ein Flugzeug kann nicht irgendwann
einfach abstürzen, sondern nur dann, wenn die herrschende Zeitqualität es
zulässt.
Zeit
ist eine Illusion oder ein Gefängnis, man bindet sich an etwas, was es nicht
gibt.
Jeder Versuch
Zeit zu sparen führt dazu weniger Zeit zu haben. Der scheinbare
Zeitgewinn
durch schnellere
Autos, Züge und Flugzeuge dienen der schnelleren
Zerstörung der Umwelt, dem
früheren Untergang.
Jeder,
der versucht Zeit zu sparen hat sein Unterbewusstsein mit »Mangel an Zeit« oder
»Ich habe keine Zeit» gespeichert. Folglich muss jeder Versuch Zeit zu sparen
misslingen, denn vom Unterbewusstsein fließt bei allem was ich tue, »keine Zeit«.
Solange ich mich nicht von »Mangel an Zeit» auf »ich habe unendlich viel Zeit«
umprogrammiert habe, werde ich weiterhin im Mangel leben – im Mangel an Zeit.
Stress
entsteht dadurch, dass man denkt, man hätte zu wenig Zeit. Folglich versucht
man, soviel wie
möglich in einer begrenzten Zeitspanne zu erledigen. Und genau das
führt dann
dazu, dass sich
die zur Verfügung stehende Zeit noch mehr reduziert. Weil
die Zeitspanne in
unserem Bewusstsein
so begrenzt ist, bemühen wir Menschen uns,
möglichst viele Erlebnisse und Erkenntnisse
in diese begrenzte Zeitspanne
hinein-zupacken. Es findet ein mehr oder weniger anstrengender Wettlauf mit der Zeit
statt.
Ein
Ruheloser verachtet alle, die weniger rastlos sind als er, beschimpft sie als
untüchtig
und unfähig
und setzt alles daran, sie in den Strudel der wilden Jagd nach dem Nichts
herein
zu-ziehen.
Die Hast erzeugt
Angst. Würde kennt keine Zeit. Nur wer warten kann, kann etwas erwarten. Ungläubige
haben wenig Zeit, weil für sie der Tod das Ende ist.
Keine
Zeit zu haben ist ein eitler Schwindel, mit dem man sich und anderen beweisen
will, wie wichtig
man doch ist.
Alles
Leiden dieser Welt entspringt dem Versuch an fixierten Formen festzuhalten – an
Gegenständen, Menschen oder Ideen -, anstatt die Welt, so wie sie ist zu
akzeptieren.
Es
gibt also nichts in dieser Welt, was festzuhalten sich lohnt.
Es ist die Aufgabe
des Menschseins, die Zeitlichkeit und Vergänglichkeit dieser Welt zu durchschauen,
sie zu überwinden und so letzten Endes in die Ewigkeit zurückzukehren, die
unsere eigentliche Heimat ist. Und uns möglichst wenig in das äußere
materielles Leben verstricken und uns mit möglichst geringem Aufwand um die
materiellen Aspekte unseres Daseins kümmern.
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