Fleisch
essen ist ökologisch nicht korrekt. Avocados essen aber auch nicht. Welche
Alternativen sind wirklich besser für die Umwelt? Und was schmeckt? Von Barbara
Vorsamer
Ich esse
gerade eine Wurstsemmel und frage mich: Darf ich das? Also, so vom Grundsatz
der Nachhaltigkeit her?
Fleisch ist
schließlich eine der größten Umweltsünden überhaupt: Die Massentierhaltung ist
für 15 Prozent aller Klimagasemissionen
verantwortlich. Das ist mehr als alle Flugzeuge, Autos und Züge zusammen
verursachen. Zudem gehen 70 Prozent des weltweiten Frischwasserverbrauchs für
die Fleischproduktion drauf. Fleisch ist also: böse, böse, böse. Manche halten
es sogar für schädlicher als Plastik.
Als ich mit
Yvonne Zwick vom Nachhaltigkeitsrat für diesen Artikel über Lebensmittelverpackungen
gesprochen habe, riet sie mir: "Essen Sie lieber ein Schnitzel weniger,
anstatt Plastikfolien zu zählen." Sogar das
Bundeslandwirtschaftsministerium empfahl kürzlich, zugunsten des Klimas auf
Fleisch zu verzichten. Im Bericht des Expertenrates steht als Ziel
"die Verlagerung des Konsums auf klimafreundliche Lebensmittel".
Was sind klimafreundliche Lebensmittel?
Doch hier
wird es schwierig, denn was versteht man darunter? Soll ich mir statt der
Salami- Avocadoscheiben auf das Sandwich legen? Fände ich persönlich eine
leckere Alternative, aber ob das der Umwelt was bringt, ist umstritten. Nicht
nur, weil Avocados immer vom anderen Ende der Welt kommen (in
Oberbayern wachsen sie leider nicht), für den Avocadoanbau werden dort
Pinienwälder abgeholzt, künstliche Dünger und Pestizide verspritzt und Unmengen
an Frischwasser verbraucht: 540 Liter Wasser für ein Kilo Avocado. Einem Bericht des britischen Guardian zufolge
ist das Avocadogeschäft zudem derart lukrativ, dass kriminelle Kartelle ihre
Finger im Spiel haben und die Bauern ausgebeutet werden. Bei aller Liebe zur
Umwelt: Menschen sollen für meinen Konsum bitte auch nicht leiden.
Sich
umweltbewusst zu ernähren, ist schon ein vertracktes Vorhaben, bevor ethische
Bedenken dazukommen. Doch diese spielen natürlich auch eine Rolle. Wer
grundsätzlich kein Fleisch oder keine tierischen Produkte konsumiert, tut das
zumeist aus einem dieser vier Gründe:
Manchen
Menschen schmeckt Fleisch einfach nicht. Sie haben es bei dem Thema
beneidenswert leicht. Andere halten vegane oder vegetarische
Ernährung für gesünder. Dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege, allerdings
auch keine fürs Gegenteil. Fest steht daher nur, dass man sowohl mit
tierischen Produkten als auch ohne gesund leben kann - oder ungesund.
Den meisten
Vegetariern geht es ums Tierwohl. Sie halten es für unmoralisch oder nachgerade ein Verbrechen,
andere Lebewesen zu töten, um sie dann aufzuessen. Veganer lehnen außerdem
Tierhaltung ab, die das Ziel hat, Milch, Eier, Haare oder Haut
zu verwerten.
Dieser Text
konzentriert sich auf die dritte Argumentationslinie: die Tatsache, dass
zahlreiche Wissenschaftler in der vegetarischen Ernährungsweise den effektivsten Weg sehen, dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Der Trend geht weltweit leider in die andere Richtung. Mit steigendem Wohlstand
in Entwicklungsländern steigt dort der Fleischkonsum jedes Jahr weiter an, da
nützt es für die Bilanz wenig, wenn der ein oder andere gesättigte Europäer zum
Flexitarier wird.
Doch das
Verhalten der anderen kann ich nicht ändern, nur mein eigenes. Jedes Schnitzel,
das ich nicht esse, ist ein Schnitzel weniger, das produziert werden muss. Ich
versuche also, mich vegetarisch(er) zu ernähren. Dafür muss ich an einigen
liebgewonnen Gewohnheiten rütteln. Statt Wurstbrot zum Frühstück versuche ich
es mit Müsli, in der Cafeteria greife ich zum Käse- statt zum Salamibrötchen.
Doch besonders umweltfreundlich sind Milchprodukte leider auch nicht.
Vor
demselben Problem stehe ich bei Hauptgerichten. Wo ich das Fleisch weglasse,
müssen Käse, Sahne, Butter und Eier ran - und davon viel. Will ich ganz ohne
tierische Produkte kochen, fällt mir wenig ein. Nudeln mit Gemüsesoße (aber
ohne Parmesan leider nicht ganz so lecker) oder ein Curry mit importierter
Kokosmilch aus der Dose (auch nicht ganz unproblematisch).
Wie-Wurst für uns Gewohnheitstiere
Gut
sortierte Supermärkte haben eine Lösung für Gewohnheitstiere wie mich:
Regalmeterweise bieten sie Tofuwurst, Sojageschnetzeltes und Seitansteak an. Weil immer mehr Deutsche zu Fleischersatzprodukten greifen,
wird das Sortiment immer besser und reichhaltiger. Strenge Veganer kritisieren,
dass hinter vielen Veggie-Produkten Fleischproduzenten wie Rügenwalder,
Wiesenhof oder Gutfried stehen. Auch wer vegane Wurst kaufe, so ihre
Argumentation, unterstütze Konzerne, die jedes Jahr mehr Tiere schlachten
und exportieren.