Mittwoch, 28. November 2018

Fleisch oder kein Fleisch

Fleisch oder kein Fleisch

Der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras (um 570 bis 500 vor Christus) hat uns nicht nur gelehrt, wie man die Seitenlänge rechtwinkliger Dreiecke berechnet. Er war es auch, der meinte, dass sich der Mensch von Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs ernähren sollte. „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück“, soll er gesagt haben. Fleischkonsum mache Menschen aggressiv und mordlüstern. Denn wer Tiere töte, würde auch Menschen töten. Für viele gilt Pythagoras daher als Urvater des Vegetarismus. Bis zur Einführung des Begriffs Vegetarier*in 1847 wurden daher Menschen, die auf Fleisch verzichteten, auch Pythagoräer*innen genannt.
Pythagoras hat eine sinnvolle Idee ziemlich radikal ausgedrückt. Es wäre auch eine Stufe sanfter gegangen, wie es zum Beispiel Schriftsteller George Bernard Shaw getan hat: „Tiere sind meine Freunde und meine Freunde esse ich nicht“.
Menschen ernähren sich heute aus den verschiedensten Gründen pflanzlich. Aus gesundheitlichen Gründen als therapeutische Maßnahme, aus ökologischen Gründen, um die natürlichen Ressourcen zu schonen, aus religiösen oder ethischen Gründen, damit Tiere nicht für die menschliche Existenz getötet werden und viele weitere. Die meisten davon sind sinnvoll und erstrebenswert. Trotzdem müssen sich Vegetarier*innen oft erklären und rechtfertigen, vor allem wenn sie penetrant missionieren. Denn wer nervt, wird verspottet. Das war schon im Kindergarten so. Und dann wird die Fleisch-kein-Fleisch-Debatte fast so hitzig wie die Apple-Android-Debatte.
Dass eine pflanzliche Ernährung auch lustig sein kann, zeigt das Buch Vegane Cartoons. Darin beschäftigen sich Cartoonist*innen mit dem Thema und machen sich sowohl über Befürworter*innen als auch Gegner*innen liebevoll lustig.

Donnerstag, 8. November 2018

Steaksteuer könnte Tausende retten

Gesundheitsgefahr durch Fleisch


Steaksteuer könnte Tausende retten

Wäre Wurst um 166 Prozent und Steak um 28 Prozent teurer, würden pro Jahr 18.000 Deutsche weniger sterben. Das zeigt eine Studie.
In einer Küche werden Bio-Frikadellen gebraten
Weltweit lassen sich jedes Jahr 2,3 Millionen Todesfälle mit Fleischverzehr in Verbindung bringen Foto: dpa
BERLIN taz | Höhere Steuern auf verarbeitetes und rotes Fleisch könnten einer neuen Studie zufolge allein in Deutschland etwa 18.400 Todesfälle pro Jahr verhindern. Zudem würde die Volkswirtschaft 4 Milliarden US-Dollar etwa für die Behandlung von durch Fleisch verursachten Krebserkrankungen oder daraus folgenden Produktivitätsverlusten einsparen, heißt es in der Untersuchung, die nun in der Fachzeitschrift Plos One erschienen ist. Dafür müsste der Preis für unverarbeitetes Fleisch von Rind, Schwein und Schaf um 28 Prozent und für Produkte wie Würstchen, Schinken oder Speck sogar um 166 Prozent steigen.
Weltweit lassen sich der Studie zufolge jedes Jahr 2,3 Millionen Todesfälle mit Fleischverzehr in Verbindung bringen. Zwei Drittel der Betroffenen stürben an einem Schlaganfall – die übrigen vor allem an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße, Typ-2-Diabetes oder an Darmkrebs. Dabei gehen die Autoren um Marco Springmann von der Universität Oxford zum Beispiel davon aus, dass rotes Fleisch tatsächlich Krebs verursacht. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation hat aber nur verarbeitetes Fleisch als klar „krebserregend“ eingestuft. Unverarbeitetes rotes Fleisch – etwa von Rind, Schwein oder Schaf – beurteilt die Agentur lediglich als „wahrscheinlich krebserregend“, weil die Datenlage nicht so eindeutig ist wie für Fleischerzeugnisse.

Die von den Wissenschaftlern berechnete Steuer würde laut Studie dafür sorgen, dass die Menschen hierzulande 37 Prozent weniger verarbeitetes Fleisch und 3 Prozent weniger unverarbeitetes rotes Fleisch äßen. Das sind immer noch 950 Gramm pro Woche. Je teurer etwas ist, desto weniger wird davon in der Regel verbraucht.

CDU-Agrarministerin blockt
Gleichzeitig würde der Staat laut Studie mit der höheren Steuer 8 Milliarden Dollar einnehmen. Das kompensierte den Großteil der 12 Milliarden, die die Gesellschaft jedes Jahr für die gesundheitsschädlichen Folgen des Fleischkonsums zahlen würde. Außerdem würden bei der Produktion der Lebensmittel für die Menschen in Deutschland 5 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen.
Weltweit könnte eine Fleischsteuer jedes Jahr mehr als 220.000 Menschen vor dem Tod bewahren – und sogar 40 Milliarden Dollar Folgekosten einsparen. Dafür müsste rotes Fleisch im Schnitt rund um den Globus um 4 Prozent und verarbeitetes Fleisch um 25 Prozent teurer werden.
Marco Springmann, Uni Oxford
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch einen Preis hat – nicht nur für die Gesundheit und den Planeten, sondern auch für die Gesundheitssysteme und die Wirtschaft.“
„Niemand will, dass Regierungen den Leuten sagen, was sie essen können und was nicht“, sagte Springmann. „Aber unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass der Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch einen Preis hat – nicht nur für die Gesundheit und den Planeten, sondern auch für die Gesundheitssysteme und die Wirtschaft.“ Er hoffe, dass eine Gesundheitssteuer auf solche Lebensmittel erwogen wird. Sie würde nichts verbieten, sondern eine wichtige Botschaft für die Verbraucher sein.
In der Bundesregierung stoßen solche Forderungen bislang auf taube Ohren. Zwar haben auch in Deutschland schon Experten empfohlen, auf tierische Produkte wie Fleisch und Milch künftig den normalen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent statt der ermäßigen 7 Prozent zu erheben; aber Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) lehnt das ab, weil Fleisch „nicht etwas nur für Besserverdiener sein“ solle.
taz.de