Ein Mystiker ist ein Mensch, der
Gott zu erfahren sucht.
Es gibt eine immer größer werdende Anzahl von Menschen,
die ein großes Verlangen nach Mystik haben.
Der Kirche kann man den Vorwurf machen, dass sie die Mystik
und den großen Schatz mystischer Erfahrungen gleichsam unter Verschluss hält
und nicht an die Gläubigen weitergibt. Deshalb suchen viele Menschen im
außer-kirchlichen Bereich, wie z.B. im Buddhismus und Hinduismus was ihnen von
der Kirche vorenthalten wird.
Jede der großen Weltreligionen ob Buddhismus, Hinduismus,
Islam oder Judentum bietet ihren Gläubigern beides, sowohl die nach außen
gewandte Glaubenslehre für Jedermann, wie auch die esoterische Lehre für
Eingeweihte. Nur das westliche Christentum lässt bisher die Möglichkeit
vermissen.
Warum ist die Mystik im Christentum verlorengegangen? Der
Glaube wurde festgeschrieben, man hat daraus eine Ideologie gemacht. Und dabei
ist kein Raum für Mystik. Die Kirche glaubt, der Mystiker überspringe die sakrale
Ordnung und dass er für sich ein Gottesverhältnis in Anspruch nehme, das der
kirchlichen Vermittlung nicht mehr bedarf. So kann die Mystik in Misskredit gebracht
worden sein.
Für die Kirche ist dann der Mystiker sozusagen ein
religiöser Genießer, er zieht sich zurück und in seine Zelle, in seine
Abgeschiedenheit und übernimmt keine Verantwortung für die Welt. Deshalb mussten
viele Christliche Mystiker ihren eigenen Weg gehen um mit sich selbst ins Reine
zu kommen.
Die Christliche Lehre wurde so nach außen gekehrt, dass
sie von Jedermann in der ganzen Welt verstanden werden konnte. Die Kirche
übernahm sozusagen die Religionsmacht. Jeder wurde überzeugt für sein eigenes
Wohlergehen daran zu glauben.
Das Glaubensbewusstsein vieler Christen ist weitestgehend
fixiert auf Bilder, Dogmen und Gegenständliches. Auch die Fassade kann
faszinierend sein. Das ist aber die kritische Situation. Es kommt nicht darauf
an, die Fassade zu bewundern, sondern ob für jeden persönlich die Mystik ein
zentrales existentielles Verlangen ist, um zur inneren Erfahrung zu gelangen.
Für Meister Eckhart (1260- 1328) den bedeutendsten deutschsprachigen Mystiker
war die deutsche Sprache Ausdruck spiritueller Weisheit. Latein war für ihn
terminologisch (begrifflich) versiegelt. Deutsch als Volkssprache galt für ihn
begriffsgeschichtlich jungfräulich, da sie noch geformt werden konnte.
Seine
schöpferische Sprachkraft lässt sich eigentlich nur mit Luther und Goethe
vergleichen.
Ein heidnischer Meister, Seneca, spricht:
"Man soll von großen und hohen Dingen mit großen und hohen Sinnen sprechen
und mit erhabener Seele." Auch wird man sagen, dass man solche Lehren
nicht für Ungelehrte sprechen und schreiben solle. Dazu sage ich (Meister Eckhart): Soll man nicht ungelehrte
Leute (be-)lehren, so wird niemals wer gelehrt, und so kann niemand (dann)
lehren und schreiben. Denn darum belehrt man die Ungelehrten, dass sie aus
Ungelehrten zu Gelehrten werden. Gäbe es nichts Neues, so würde nichts Altes.
"Die gesund sind", sagt unser Herr, "bedürfen der Arznei
nicht" (Luk. 5, 31). Dazu ist der Arzt da, dass er die Kranken gesund
mache. Ist aber jemand, der diese Worte unrecht versteht, was kann der Mensch
dafür, der dieses Wort, das recht ist, recht äußert? (Eckhart, DPuT, S. 139)Was Eckhart hier sagt, bedarf fast keines weiteren Kommentars. Es ist beinahe schon sein programmatisches Anliegen, höchste Inhalte der Erkenntnis unter das gemeine Volk zu bringen. In diesen Kontext gehörend ist somit auch die Tatsache, dass Meister Eckhart einer der Ersten überhaupt gewesen ist, der seine Predigten nicht (nur) in dem ausschließlich den Gelehrten verständlichen Latein vorgetragen hatte, sondern auch vor dem einfachen Volk und ungelehrten Laien in der Volkssprache predigte - und d.h. in seinem Falle in Mittelhochdeutsch. Er wollte verstanden werden, da er es offensichtlich für durchaus wichtig hielt, dass jedermann mit »tieferen Wahrheiten« in Berührung treten kann. Etliche Beschlüsse seiner deutschen Predigten geben Kunde davon, welch Anliegen es ihm gewesen sein muss - auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden oder unverstanden zu bleiben -, Predigten mit teilweise äußerst hochspekulativen Inhalten und Gedanken zu halten.
Vermutlich wurde er nur deshalb der Häresie verdächtigt und von der Inquisition angeklagt, weil er es wagte in einer Sprache zu predigen, die die Priesterschaft außerhalb des deutschen Sprachraums, nicht verstanden hat.
Meister Eckhart. starb, bevor das zweifelhafte Verfahren
am 30. 4. 1328 abgeschlossen war. Wie und wo er starb, ist bis heute nicht
geklärt. Seine Leiche wurde nie gefunden.
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