Über die
Rohingya in Myanmar
Historiker betrachten die Rohingya als Einwanderer
aus dem benachbarten Bangladesch – eine Auffassung, die die meisten
Menschen in Myanmar teilen. Demnach siedelten die britischen
Herrscher im 19. Jahrhundert Bauern aus dem muslimischen Bangladesch
in Myanmar an. Habe der Anteil der Muslime in der Region Rakhine 1869
noch fünf Prozent betragen, sei er 1912 bereits auf über 30 Prozent
gestiegen, sagt der Historiker Jacques Leider und stützt sich dabei
auf eine britische Volkszählung.Wann gab es die ersten Konflikte?
Die britischen Kolonialherren bevorzugten die Rohingya und schürten damit Konflikte zwischen den Volksgruppen gezielt, um die Bevölkerung zu spalten und dadurch die eigene Macht zu festigen. In den Augen der Myanmarer seien die Rohingya dadurch zu Volksverrätern geworden, sagt Sophie Boisseau du Rocher, Südostasien-Expertin am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (Ifri).
Während des Zweiten Weltkrieges stachelte Großbritannien die Muslime gegen die buddhistischen Nationalisten im Land auf, die sich mit Japan verbündet hatten. "Die britische und die japanische Armee nutzten die bestehenden Spannungen und Feindseligkeiten in der Bevölkerung für ihre eigenen militärischen Ziele", sagt der Wissenschaftler Moshe Yegar, der ein Buch über Muslime in Myanmar geschrieben hat. Als die Briten 1942 aus der Region abzogen, eskalierte die Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen.
Warum flohen die Rohingya?
Die Verfassung von 1947 erkannte die Rohingya an und gewährte ihnen das Wahlrecht. Die ab 1962 herrschende Militärdiktatur schränkte die Rechte der ethnischen Minderheiten wieder ein. 1978 und 1991/92 ging das Militär gegen die Rohingya vor, 250.000 Menschen flohen vor der Gewalt nach Bangladesch. Einige von ihnen kehrten später wieder nach Myanmar zurück – nach Einschätzung des UNHCR nicht freiwillig. 1982 wurde den Rohingya die Staatsangehörigkeit entzogen.
Seit der Öffnung des Landes 2011 erstarkte der buddhistische Extremismus. Bei Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Rohingya 2012 wurden mehr als 200 Menschen getötet. 120.000 vertriebene Rohingya suchten Zuflucht in Lagern nahe der Regionalhauptstadt Sittwe. Viele leben noch heute dort, andere gingen ins Exil. Bei der Flucht über den Golf von Bengalen ertranken Tausende.
Im Oktober 2016 verübte die Rebellengruppe Arakan Rohingya Salvation Army (Arsa) erstmals Angriffe auf Soldaten. Die Armee reagierte darauf mit einem massiven Einsatz. Rund 87.000 Rohingya flohen nach Bangladesch. Als Arsa-Rebellen Ende August erneut Sicherheitskräfte in Rakhine attackierten, reagierte die Armee wiederum mit Gewalt.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen